3 bewährte Tipps, Blockaden zu überwinden

Kennst Du das auch?

Du arbeitest mit Deinem Pferd, es macht Fortschritte, Du hast einen tollen Plan und eine tolle Methode, alles läuft super, bis….ja, bis Du nicht mehr weiterkommst. Du steckst völlig fest, nichts scheint mehr zu gehen, totale Blockade. Was tun, ist die Frage?

Hier sollte jetzt ein Foto von Odiosea zu sehen sein

Odiosea (Bildmitte) mit ihrer Tochter Duquesa. Foto: Johanna Link

Ich möchte Dir dazu eine kurze Geschichte erzählen:

Odiosea, eine wundervolle PRE-Zuchtstute mit einer zweifelhaften Vergangenheit in Spanien, kam mit sehr viel Angst zu uns. Dank Tellington-TTouch® und -Bodenarbeit lernte sie schnell, im täglichen Umgang den Menschen wieder zu vertrauen, aber das Hufe geben blieb ein echtes Problem. Das erste Ausschneiden ihrer vernachlässigten Hufe war nur mit Sedierung möglich und auch damit noch Schwerstarbeit und nicht ungefährlich für den Hufbearbeiter. Die Tierärztin war die ganze Zeit dabei, um die Sedierung zu überwachen.

Mit TTouch® hatte ich viel erreicht, aber an einem bestimmten Punkt kam ich nicht weiter, was mir noch nie passiert war. Bisher hatten alle Pferde mithilfe der Tellington-Übungen relativ schnell gelernt, entspannt ihre Hufe zu geben und dabei ausbalanciert zu stehen.

Nicht so Odiosea. Sie hatte einfach zu viel Angst und war dadurch so verkrampft, dass sie sich dann tatsächlich nicht auf 3 Beinen im Gleichgewicht halten konnte, was ihre Befürchtungen natürlich bestätigte. Dazu kam ein gewisser Zeitdruck. Hufe wachsen nun mal ständig, v.a. wenn ein Pferd nicht geritten wird. Ein Teufelskreis.

Als eine Möglichkeit fiel mir Clickertraining ein. Ich hatte bei mehreren Lehrern die Grundlagen des clickerns gelernt, es aber noch nie wirklich gebraucht und geübt. Wir erzielten auch schnell weitere Fortschritte, 3 Hufe konnte sie mir bald recht gut geben. Aber auf einen Hinterhuf warf sie ihr ganzes Gewicht, sobald jemand versuchte, ihn auch nur minimal anzuheben. Wir haben alles mögliche probiert, um ihr zu helfen. Ohne Erfolg.

Eines Tages konnte ich nicht mehr. Ich stand in Tränen aufgelöst im Stall und erklärte diesem Pferd in Gedanken meine Verzweiflung. Ich erklärte ihr, dass ich ihr helfen wollte, einen guten Start in ein neues, schönes Leben zu haben, aber dass sie nicht bei uns bleiben kann. Und dass es absolut notwendig ist, dass sie ihre Hufe hergibt. Und dass ich nicht mehr weiter weiss.

Ich gab auf. Sie schaute mich mit ihren schönen Augen direkt an und überlegte. Ich sass heulend auf einem Eimer, erschöpft und ratlos, ein Häufchen Elend. Da hob sie ihren Problemhuf hoch und schaute mich an, als wollte sie sagen: Da, nimm ihn. Warum hast Du mir denn nicht gesagt, um was es wirklich geht?

Ab diesem Tag konnte ich und auch jeder andere alle 4 Hufe auskratzen und sie war sehr kooperativ beim Hufschmied. Sie hatte immer noch Angst und Gleichgewichtsprobleme und brauchte am Anfang beim Ausschneiden ein bisschen Unterstützung, um die Balance halten zu können. Aber sie hat sich so sehr bemüht und hat es geschafft, weil sie DEN SINN VERSTANDEN hatte.

Was will ich mit dieser Geschichte sagen? Dass man manchmal einfach loslassen muss.

Das ist auch mein 1. Tipp:

Akzeptiere, was ist. Du kannst nichts erzwingen. Wenn Du Dich zu sehr auf ein Problem fixierst, wird es oft noch grösser und es bewegt sich nichts mehr vorwärts. Das ist wie im Stau stehen. Es bringt nichts, den Motor aufheulen zu lassen, wenn Du nicht fahren kannst, auch wenn Du es eilig hast. Eine gute Idee ist es, in Dich hineinzuspüren, was das mit Dir macht. Wirst Du wütend, fühlst Du Dich hilflos oder ohnmächtig? Was ist das Geschenk, das in der Situation verborgen ist?

Erst, wenn Du den Status Quo akzeptierst, kann sich etwas ändern!

Nimm Dir ein paar Minuten Zeit, zu fühlen, was sich zeigen möchte. Vielleicht bist Du auf dem Weg zu einem Ziel, das jetzt gerade gar nicht wichtig ist? Vielleicht warst Du zu ehrgeizig oder ungeduldig und hast zu viel Druck gemacht? Vielleicht hast Du vor lauter Üben den Spass und die Freude dabei vergessen, das Spiel?

Bei mir war es eine Mischung aus Ungeduld, Erwartungsdruck und völlig fixiert sein auf dieses eine Thema, zusammen mit Zeitdruck. Weil das Ziel in diesem Fall extrem wichtig war. Hufe ausschneiden war superdringend, und jedesmal mit Sedierung gab mein Geldbeutel nicht her und ist auch nicht gesund für’s Pferd. Und ich hatte wenig Zeit zum üben, Odi ist ja nicht das einzige Pferd bei uns.

Mein 2. Tipp:

Erkläre dem Pferd, um was es geht. Du musst dazu nicht Tierkommunikation studiert haben. Erzähle einfach in Gedanken, was Du vorhast und warum. Und visualisiere das positive Ergebnis. Viele Pferde arbeiten wesentlich lieber und besser mit, wenn sie verstanden haben, um was es geht. Sie können tatsächlich „Gedanken lesen“, sie empfangen Deine inneren Bilder und reagieren darauf.

Das erklärt auch, warum Pferde oft ein Kommando bereits ausführen, wenn Du nur daran denkst, noch bevor Du es ausgesprochen hast. Es erklärt aber auch, warum es nicht zum Erfolg führt, wenn wir unerwünschtes Verhalten ständig mit „Nein“ kommentieren und dabei das Bild des unerwünschten Verhaltens im Kopf haben. Du solltest Deinem Pferd besser sagen, was es tun soll, denn damit kann es tatsächlich etwas anfangen. Z.B. „lass Deinen Fuss stehen“ anstatt „hör auf“, wenn es scharrt.

Das klingt albern für Dich? Ist es nicht. Gedanken sind messbare Energien.  Mentaltrainer arbeiten schon lange sehr erfolgreich mit Gedankenenergie. Das kann jeder, also auch Du.

Ein Motto von Linda Tellington-Jones lautet:

Change your mind, change your horse. Verändere Deine Einstellung und Du veränderst Dein Pferd.

Gleichzeitig ist es wichtig, das unerwünschte Verhalten sofort zu stoppen. Beim Beispiel mit dem scharren könntest Du Deine Hand leicht aufs Karpalgelenk drücken und damit das scharren beenden, kombiniert mit der positiven Aufforderung Deiner Erwartung, in diesem Fall z.B.: „stell ihn hin“. Bei Erfolg sofort loben! Das kann am Anfang etwas mühsam erscheinen, v.a. bei einer starken Gewohnheit, aber es bringt dauerhaften Erfolg! 100%ige Konsequenz und sofortige Reaktion vorausgesetzt.

Und da setzt auch das Clickertraining an. Durch die positive Verstärkung und die Verknüpfung mit Futter wird das Pferd erst mal neugierig und offen für etwas Neues, das Kauen entspannt. Im Internet findest Du viele Informationen zum Clickern von Menschen, die damit mehr Erfahrung haben als ich.

 

Mein 3. Tipp:

Finde heraus, was dein Pferd richtig gerne macht und was auch Dir Spass macht. Freu‘ Dich an den Fortschritten Deines Pferdes und lobe es ausgiebig. Bedanke Dich bei ihm und geniesse Eure gemeinsame Freude und Begeisterung. Und dann baust Du das „Problemthema“ spielerisch in die gute Atmosphäre ein und betrachtest es als Herausforderung.

Ohne Zwang, zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Es ist ein Spiel. Das ist bei manchen Themen schwieriger als bei anderen, siehe das Beispiel mit Odi’s Hufen. Wenn’s wieder hakt, mach etwas ganz anderes, am Besten etwas, was Spass macht und wo Du viel loben kannst. Das bringt blockierte Energie ins Fliessen und oft bekommst Du das ursprüngliche Ziel quasi „geschenkt“, indem Du an anderen Themen gearbeitet hast.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Das ist ein Grundprinzip im Leben. Übe täglich, Dich auf positive Ergebnisse zu fokussieren. Das erfordert Selbstdisziplin und Ausdauer, aber hilft Dir in allen Lebensbereichen weiter. Hab Spass damit. Nach 3 Wochen „dranbleiben“ wird es zur Gewohnheit und geht immer leichter.

Und als zusätzlichen Tipp, kann ich Dir nur raten:

Wenn Du ein wirklich wichtiges Thema hast, bei dem Du nicht weiterkommst, hol Dir einen Profi zu Hilfe.

Das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern häufig auch Geld, oft ist es auch ein Sicherheitsfaktor. Du musst nicht alles alleine schaffen. Nicht jeder kann seine Waschmaschine selbst reparieren, und auch beim Pferd gibt es Themen, bei denen ein Profi Sinn macht. Wenn es krank oder verletzt ist, holst Du ja hoffentlich auch einen Tierarzt.

Ich wünsche Dir viel Spass beim ausprobieren und freue mich, wenn Du mir auf facebook einen Kommentar hinterlässt.

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Deine Beate

Bleib im Vertrauen…und geniesse den Augenblick!

PS: Übrigens, Odiosea sucht einen neuen Aufgabenbereich bei liebevollen Menschen, die ihr grossartiges Wesen zu schätzen wissen und  ihr entweder noch ein Fohlen ermöglichen oder eine andere Beschäftigung bieten können. Ihr ist es bei uns langweilig. Wenn Du interessiert bist oder jemanden weisst, kontaktiere mich bitte: Kontaktdaten im Impressum oder direkt per mail 

Ich bitte um Verständnis, dass hier keine Kommentare möglich sind. Das würde zu Lasten meiner Zeit mit den Pferden gehen.

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